Jürg Wüst

Lesung:                  Apg 10, 25-26.34-35.44-48

Evangelium:       Joh 15,9-17

Predigt:                                                                                                           

Liebe Gläubige
Wer kennt ihn nicht den Song «Ewigi Liebe» von der Band Mash. Der Sänger Padi Bernhard schriebt das Lied 1995 ursprünglich für seine damalige Freundin. Es kam dann als letzter Song auf das Album «mash.nidvobärn». Weder Radiomoderatoren noch Journalisten massen dem Song besonderes Hitpotential bei, erst mehrfacher Hörerwunsch machte den Song zu dem, was er heute ist. «Ewigi Liäbi» drückt die grosse menschliche Sehnsucht nach Liebe aus.
«Nimm mich i arm und drück mich fescht a dich und la mi nummä los
ich tanke mich grad a dier uf, will's eifach so guet tued
ich ha di gärn, ich bruchä dich, ja ich bi süchtig nach diär»
«Ewigi Liäbi» drückt aber auch aus, wie zerbrechlich menschliche Liebe sein kann:
«doch garantiä chan ich diär keini gä, dass es für immer so wird si»
«ich weiss liäbi chunnt und gad, wiene cherzä schmelzt si wäg
ja, wienes lied hört sie eifach uf oder sie haut eifach ab»
Was in der Zerbrechlichkeit der Liebe bleibt, ist der Wunsch «ewigi liäbi - das wünsch ich diär». Ja, und in diesem Wunsch ist eine tiefe Wahrheit verborgen. Für nichts gibt es im menschlichen Leben Garantien. Als Christinnen und Christen halten wir daran fest, dass die Liebe mehr ist, als nur ein kurzes Gefühl der Geborgenheit. Die Liebe ist trotz aller Brüchigkeit das Wichtigste und Beständigste… Augustinus der Kirchenlehrer fasste das so in Worte: «Über allem leuchtet die Liebe, die ewig bleibt.» Augustinus kann so sprechen, weil er zu unterscheiden weiss zwischen dem Gefühl der Liebe, der Verliebtheit und der Liebe selbst. Sie ist es die bleibt. Erhard Blanck (*1942), ein deutscher Heilpraktiker, Schriftsteller und Maler hat das so ausgedrückt: Du hieltst deine Gefühle für Liebe. Du hast nur gefühlt, was Liebe ist, aber du hast nicht geliebt. Denn Liebe ist ewig. Gefühle aber können kommen und gehen, auf Nimmerwiedersehn. Was wir hingegen einander in Liebe schenken, kommt und geht nicht auf Nimmerwiedersehen. Wahre Liebesdienste, können nicht vergehen. Sie bleiben verankert in unseren Herzen. Erfahrene Liebe hinterlässt bleibende Spuren.  Ja, solche Erfahrung der Liebe hat mit Gott selbst zu tun: Wenn Jesus im Johannesevangelium sagt: «Dies trage ich euch auf: Liebt einander!», dann ist damit nicht nur ein Auftrag verbunden, sondern auch eine Zusage! Es ist die Zusage: «Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben!» Ihr werdet in meiner Liebe bleiben. Diese Zusage steckt auch in folgenden Vers: «Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.» Jesus spricht nicht von einzelnen Taten der Liebe, von Werken der Liebe. Er sagt nicht: «Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Werke der Liebe vollbringt.» Er spricht von «Frucht bringen». Auch so wird die Zusage betont. Bäume, die Früchte tragen, können angepflanzt und gepflegt werden. Die Früchte aber reifen alleine. Sie sind ein Geschenk der Natur. So ist es auch mit der Liebe. Die Liebe kann gepflegt werden. Es können Samen gesät werden. Aber letztlich sind ihre Früchte Geschenk für Gebende und Nehmende. Sie sind Gottesgabe … Durch die Liebe haben wir Anteil am Ewigen: «Ewigi Liebi» Das entlastet davon, auch in der Liebe in einen Leistungsdruck zu geraten. Liebe ist Geschenk, an dem wir uns freuen dürfen: «11Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.» Lassen wir uns dieses Geschenk, diesen Anteil an «ewiger Liebi» in aller Offenheit von Gottes Geist in alltäglichen Situationen immer wieder schenken, wie es die Worte von Hanne Köhler ausdrücken:

«Wo Gottes Geist der Liebe ist, da ist Freiheit.»
Ein Mensch lächelt uns an.
Wir trauen einander gute Absichten zu.
Wir setzen uns für jemand ein, ohne dazu verpflichtet zu sein.
Jemand stärkt uns den Rücken, wo wir schon aufgegeben hatten.
Und plötzlich weht Gottes Geist mitten unter uns und wir singen:
Ehre sei Gott in der Höhe.
Amen