Jürg Wüst

Lesung: 1 Kön 3, 5.7-12

Evangelium: Mt 13, 44-52

Predigt:                                                                                                           

Liebe Gläubige

Hand aufs Herz: Eigentlich sehnen wir alle uns nach einfachen Antworten und Lebensmustern. Es wäre so viel einfacher, wäre einfach klar, was gut und was böse, was der richtige und was der falsche Weg ist. Die Welt, in der wir leben, ist allzu oft sehr undurchsichtig und wirr. Wer versteht und durchschaut schon ganz die grossen weltpolitischen Zusammenhänge? – Ich denke an die Veränderungen in Polen, in der Türkei, in den USA, dem Brexit für Europa usw. Wer durchschaut vor lauter Studien und Ergebnissen, wie das Leben zu deuten und zu verstehen ist? – Ich denke an Studien im Gesundheits- und Ernährungsbereich - Wer hat Klarheit über die eigenen Lebenszusammenhänge? – ich denke an immer wieder veränderte Lebensumstände. An Stammtischen kann man den Eindruck bekommen, das Leben wäre einfach, es gäbe nur entweder oder, schwarz und weiss, gut und böse… Wer genauer hinschaut, wird merken, dass es nicht so einfach ist. Oft findet eine Meinung ein gutes Gegenargument. Oder ein bestimmtes Handeln kann genauso positive wie negative Auswirkungen haben, je nach Standpunkt und Sicht. Was für die einen gut ist, kann für die andern schlecht sein. Unsere Welt ist oft undurchsichtig und kompliziert, so fühlen viele. Ich stelle mir vor, dass es den Menschen, die Jesus zugehört haben, ähnlich gegangen ist. Schon damals. Sie haben Jesus darum gut verstanden, wenn er das Leben mit einem Acker oder mit dem Kaufmann, der eine schöne Perle suchte, verglichen hat. Auf dem Acker (wir dürfen uns nicht einen Acker von heute vorstellen, die Äcker von damals waren viel weniger ordentlich) finden sich unterschiedlichste Steine, fruchtbarere und weniger fruchtbare Stellen. Ein Acker ist eigentlich eher eine wirre Sache. Ein Acker ruft nach Einsatz und Arbeit, nur so kann ein Ertrag erwartet werden. Oder auf dem Bazar, dem Ort, wo der Kaufmann „zuhause“ ist, werden unterschiedlichste Dinge angeboten. Wer hat da schon den Überblick? Wohl niemand. Weder beim Acker noch auf dem Bazar ist zu erwarten, dass da etwas Wertvolles zu finden ist, auch wenn beide nützlich sind. Vielleicht hat Jesus zu Menschen gesprochen, die das Leben ebenso undurchsichtig, herausfordernd oder gar pessimistisch gesehen haben: Es ist alles so kompliziert, so voller Arbeit und Mühsal. Wenn Jesus so denkenden Menschen diese Gleichnisse erzählt hat, dann hat er ihre Meinung nicht in Abrede gestellt. Eigentlich hat er ihre Haltung bestätigt: Ja, das Leben ist undurchsichtig, kompliziert, so voller Arbeit und Mühen, nicht in schwarz und weiss, gut und böse, gerecht und ungerecht aufzulösen. Aber - und hier steht ein grosses ABER – erzählend löst Jesus in den Zuhörenden etwas aus, indem er vom Schatz im Acker und von der wertvollen Perle auf dem Bazar spricht. Wo eigentlich nichts zu erwarten ist, kann eine Entdeckung gemacht werden. Wer es versteht, den Blick zu lenken, wird Wertvolles finden. Wer seinen Blick richtig lenkt, kann in aller Undurchsichtigkeit Klarheit finden. Und wo? Wenn Jesus die Gleichnisse einleitet: Mit dem Himmelreich ist es wie…, dann lässt sich diese Klarheit finden, wo das Himmelreich zu finden ist. Nicht im Himmel. Sondern hier auf Erden, eben im Acker oder Bazar des Lebens lässt sich das Himmelreich finden. In einzelnen Begegnungen, wo Menschen sich wirklich begegnen, da ist das Himmelreich. Wo ein Lächeln, wieder gute Stimmung verbreitet, wo ein Händedruck mehr sagt als Worte, wo tröstet und Kraft gibt. Wo jemand in den Sorgen des Lebens jemanden findet, der nicht vorschnell mit einem gutgemeinten, aber nicht weiterführenden Ratschlag da ist, sondern mit Verständnis reagiert. Wo jemand sich Zeit nimmt, in der Natur wieder aufzutanken, wo jemand dankbar ist, für die Schönheiten an unserem Lebensweg.  All das kann im Lebensacker, auf dem Lebensbazar gefunden werden. Für all das lohnt es sich alles zu geben, wie die Gleichnisse sagen. Es ist so, wer sein Lebensnetz auswirft, wird beides drin haben, Fische, die brauchbar sind und andere, die aussortiert werden. Aber es gibt die brauchbaren Fische. Entscheidend ist der Blick dafür. Darum tun wir gut daran, wie Salomo auch um ein hörendes Herz oder um offene Augen zu bitten, damit es gelingt in der Undurchsichtigkeit des Lebens, den Schatz im Acker und die wertvollen Momente immer wieder neu zu entdecken: Ja, Gott, verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz. Amen