Jürg Wüst

Lesung                Dan 7, 2a.13b-14
Evangelium
        
Joh 18, 33b-37

Liebe Gläubige

Lesung und Evangelium führen uns Bilder vor Augen, die das heutige Fest «Christkönig», der Abschluss des Kirchenjahres, in den Mittelpunkt rückt. Auf den ersten Blick mögen diese Bilder vom Königtum, der ewigen Herrschaft, dem König und Herrscher auf den Wolken aus einer fernen Zeit stammen und nichts mehr mit unserer Welt zu tun haben.

Aber schauen wir genauer hin. Wie steht es um die Faszination von Machthabern und Stars? Wie nahe rücken sie manchmal dem Himmel? Sie werden hochgejubelt, als Retter, gar als Erlöser gesehen. Selbstverständlich, es ist schon so: Je höher jemand gehoben wird, desto tiefer kann er oder sie auch fallen.

Darum ist mit der Faszination immer auch eine Art Mitleid verbunden. So berühmt oder so entscheidend möchte man dann doch wieder nicht sein.

Und dennoch: Hinter der geheimnisvollen Anziehungskraft berühmter und wichtiger Menschen, verbergen sich Sehnsüchte.

Es sind dies der Wunsch nach Anerkennung, die Sehnsucht nach Bewunderung und Erfolg. Urmenschliche Sehnsüchte, die auch Ausdruck im Fest Christkönig finden. Nicht irgendein Star, sondern Christus wird zur Projektionsfläche. Aber anders als bei den Stars und Machthabern dieser Welt, bleibt es bei Christus nicht bei dieser Projektion der Wünsche nach aussen.

Die Bibel erinnert uns daran: «Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.» Sagt Jesus im Johannes Evangelium. Und weiter heisst es in einer etwas philosophischen Sprache:

«Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.»

Mit anderen Worten: «Man kann mich als König sehen, aber nicht so, dass ich Projektionsfläche für menschliche Sehnsüchte bleiben will. Ich stehe für mehr. Letztlich für die Wahrheit.»

Und diese Wahrheit lautet: Nicht irgendjemand, ein Machthaber oder Star, König oder Herrscher kann die menschlichen Sehnsüchte erfüllen.

Die letzte Wahrheit liegt darin, dass wir an einen Gott glauben dürfen, der uns unsere innersten Sehsüchte und Wünsche erfüllen will.

Dieser Gott, der unsere Sehsüchte erfüllen will, ist keiner der über den Wolken, weit weg über uns thront. Diesem Gott begegnen, wir aber auch nicht im Lärm der Welt, im Jubel um Stars und Machthaber.

Diesem Gott begegnen wir, wo wir in der Nachfolge Jesu den Spuren dieses Jesus von Nazareth folgen.

Er hat von der Herrschaft Gottes, der «Basileia tou theou», dem Reich Gottes gepredigt.

  • Dieses Reich Gottes hat er vorrangig bei den Armen und Ausgestossenen lokalisiert. «Was ihr einem meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.»
  • Dieses Reich Gottes hat er in Gleichnissen gepredigt, welche davon erzählen, wie Gott im Verborgenen und im Kleinen kraftvoll unter den Menschen wirkt: «Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Senfkorn, aus dem ein Baum wächst…»
  • Dieses Reich Gottes ist keine «One-Man-Show», sondern auf Menschen angewiesen, die den Ruf der Nachfolge hören: «Kommt folgt mir nach…»; «Ich seid das Salz der Erde; ihr seid das Licht der Welt»
  • Dieses Reich Gottes lässt uns nicht als Zaungäste und Zuschauer dem grossen König zuwinken, sondern erinnert uns an unsere eigene Würde. Es erinnert daran, dass wir selbst gefragt sind und dieses Reich dort lebendig wird, wo wir in seinem Sinn und Geist tätig werden, dort, wo unser Herz sich anderen öffnen kann.

Manchmal stossen wir dabei an Grenzen. Und genau da will Gott uns unterstützen.

Erst mit ihm kann uns bewusst werden, dass es die Liebe zu uns selbst und zu den Mitmenschen ist, die unsere Sehnsüchte stillt. Mit ihm lernen wir die Liebe, lernen wir aufeinander und auf uns zu achten. Ja, mit ihm erkennen wir, was wir sind. Königskinder!

Gerade mit dem Christkönigsfest, das als Abschluss des Kirchenjahres den Glauben auf den Punkt bringen möchte, soll das gefeiert werden.

Amen