Jürg Wüst        

Lesung:                Lev 13, 1-2.43ac.44ab.45-46

Evangelium:      Mk 1, 40-45

                                               

Liebe Gläubige

Es ist Fasnachtszeit. Viele verkleiden sich und bringen so auch etwas von ihren Sehnsüchten zum Ausdruck. Ich habe eine Krone, die ich mir auf den Kopf setze. Nicht, weil ich gerne den König spiele. Als Pfarreibeauftragter und Chef habe ich genug Möglichkeiten König zu sein. Aber Spass beiseite.
Eigentlich ist uns allen eine solche Krone aufgesetzt worden. In der Taufe fand dies Ausdruck: wir sind von Gott geliebt, geachtet und so in die Würde der Gotteskindschaft eingesetzt.
Geachtet werden, Würde erfahren, etwas gelten, anerkannt sein, das alles ist für uns Menschen enorm wichtig.
Würdelosigkeit, Missachtung, Ausschluss, Ächtung, all das sind Gegenbegriffe.
Ich weiss nicht, wie es ihnen gegangen ist beim Hören der Lesung:
Zum Schutz der Gemeinschaft kann man es zwar verstehen, dass in der antiken Gesellschaft grosse Angst vor Ansteckung herrschte, aber trotzdem: Die Aussätzigen müssen zum Priester, allein schon das, ihre Krankheit wird mit Religion und der Beziehung zu Gott verbunden und dann:
Der Priester muss ihn für unrein erklären.
Der Aussätzige, der von diesem Übel betroffen ist, soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungepflegt lassen; er soll den Schnurrbart verhüllen und ausrufen: Unrein! Unrein!
Welch grosse Würdelosigkeit! Es ist als ob einem solchen Menschen die Krone vom Kopf genommen würde. Du bist nichts wert, du bist eine Gefahr, weg mit dir!
Wie befreiend muss da die Praxis Jesu gewirkt haben, wie wir sie im Evangelium gehört haben.
41Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn.
Das Mitleid allein ist es nicht: die ausgestreckte Hand, die Berührung, sie sind Zeichen der Würde, Zeichen der Ankerkennung, des Respektes. Er setzt die Krone wieder auf.
Das ist Heilung! Jesus erklärt den Aussätzigen nicht als unrein und ausgeschlossen, sondern sagt zu ihm. Werde rein!
Das ist mehr als einfach eine neu zurückgewonnene Gesundheit!
Statt ihn auszusetzen wie alle anderen, setzt Jesus sich für den Aussätzigen ein. Er berührt den Unberührbaren.
,,Der ist doch nicht ganz sauber!", schimpfen die Gesetzeslehrer der Juden. In ihren Augen macht sich Jesus die Hände schmutzig.
Er riskiert, dass er sich ansteckt mit Krankheit und Sünde, doch genau das Gegenteil passiert.
Der Aussatz verschwindet. Die Berührung, erweist sich als Weg zur Heilung.
Menschen, die ohne Berührungsängste sogenannten ,,Aussätzigen" nahe sind, handeln wie Jesus. Und sie wirken Wunder wie Jesus:
Sie heilen den Aussatz — sie heilen die Einsamkeit und das Gefühl, minderwertig oder unerwünscht zu sein.
Sie geben denen, die als Aussätzige ausgestossen waren, ihre Würde zurück, ihr Selbstvertrauen und damit ihre Freude am Leben.
Es kann immer wieder vorkommen, dass ich mich im Leben bücke, mich klein mache, meine Würde verliere: (Kopf neigen)
Ich darf wissen, Gott hat mich anders gedacht!
Er will uns die Krone aufsetzen, er will, dass wir einander die Krone aufsetzen:
Nicht nur in der Fasnachtszeit, auch ausserhalb der Zeit. Verkleidung dürfen wir an uns und anderen die unsichtbare Krone der Gotteskindschaft sehen und entdecken. Amen