Jürg Wüst

Lesung:               Jak 2, 1-5
Evangelium:     Mk 7, 31-37                                                                                

Liebe Gläubige

Kommunikation geschieht heute auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Denken wir nur an die modernen Kommunikationsmittel. Da sind in den letzten Jahren mit dem Internet, den I-Phones und all den anderen Geräten Revolutionen geschehen. Zig Techniker und Wissenschaftler beschäftigen sich mit dem Thema Kommunikation.

Trotz all der Veränderungen ist ein einfaches Grundmuster geblieben. Wenn Menschen kommunizieren, dann ist da jemand, der oder die eine Botschaft sendet und da ist jemand, der oder die die Botschaft empfängt.

Die sendende Person kann Sprechende genannt werden.
Die empfangende Person ist die Hörende.

Auf beiden Seiten kann die Kommunikation unterbrochen oder gestört werden. Menschen können verstummen; es kann ihnen die Sprache verschlagen oder sie werden am Sprechen gehindert.

Menschliche Kommunikation ist darauf angewiesen, dass Menschen sich ausdrücken, sich anderen gegenüber offen zeigen und sich nicht zurückziehen. 

Aber auch auf der anderen Seite kann die Kommunikation gestört werden. Menschen können taub sein, sie können weghören und Dinge überhören. Sie können sich gegenüber Anliegen anderer verschliessen.

Menschliche Kommunikation ist darauf angewiesen, dass Menschen zuhören und sich anderen gegenüber offen zeigen.

Im heute gehörten Evangelium werden gleich beide menschlichen Blockaden thematisiert und im Taubstummen vereinigt, der von Jesus von seinen Blockaden, von seinen Behinderungen erlöst wurde.

Scheinbar hat die Begegnung mit Jesus die Menschen damals so sehr berührt und verändert, dass sie sich sowohl als Sprechende, als auch als Hörende öffnen konnten. Darum wurde diese Wundergeschichte weitererzählt und schliesslich aufgeschrieben und mit dem Kommentar versehen:

«Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.»

Spannend ist, dass hier eine Aussage sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart gemacht wird.

«Er hat alles gut gemacht», hiess es. Aus Sicht des Evangelisten Markus nimmt das auf die Vergangenheit Bezug. Jesus von Nazareth hat damals, als er in Galiläa wirkte, alles gut gemacht.

Jetzt wird aber angehängt: «Er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.»

Hier geht der Evangelist Markus von der Gegenwart aus.

Nicht nur damals, als Jesus in Galiläa wirkte, sind für den Evangelisten Wunder geschehen. Auch in der Gemeinde des Evangelisten Markus macht er - jetzt ist der Auferstandene der Wirkende -, dass Tauben hören und die Stummen sprechen.

Der Evangelist Markus bietet uns so einen Anknüpfungspunkt. Was, wenn wir auch heute glauben, dass «er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.»

Hier da bei uns!

Was, wenn wir glauben, dass der Auferstandene, dass Gottes Geist auch uns heilen kann, dort wo wir verstummen, wo es uns die Sprache verschlägt.

Was, wenn wir glauben, dass der Auferstandene, dass Gottes Geist auch uns heilen kann, dort wo wir weghören und uns vor den Anliegen anderer verschliessen?

Was wenn wir die kirchliche Gemeinschaft als eine Gemeinschaft sehen, in der Menschen zu Wort kommen können mit ihrem Anliegen, mit dem was sie bedrückt. Was, wenn wir die kirchliche Gemeinschaft als eine Gemeinschaft sehen, die bemüht ist, ein offenes Ohr für die Anliegend er Menschen zu haben.

Was, wenn die kirchliche Gemeinschaft eine zuhörende Gemeinschaft ist, aber auch eine, die schwachen ihre Stimme leiht?

Jesus hat dem Taubstummen die Worte zugesprochen: Effata – öffne dich. Es ist auch ein Zuspruch, der uns heute gelten soll. Öffne dich – lege das Blockierende ab. Finde Worte und schärfe deine Ohren.

Jesus hat den Zuspruch mit dem Blick zum Himmel verbunden:

«Jesus nahm den Taubstummen beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heisst: Öffne dich!»

Gott ist es, der uns Menschen befreien kann. Effata – öffne dich! Das ist so kein Zauberwort, wie in Märchen. Aber es ist ein Zuspruch für eine Lebensaufgabe, die da heisst:

Sich öffnen für Gott, füreinander, für das, was mir wirklich nützt, die Sinne und das Herz öffnen, die Fäuste öffnen, Fenster und Türen öffnen…

Blicken auch wir mit einem Seufzer zum Himmel, der alle menschliche Verschlossenheit einschliesst.

Lassen auch wir den Zuspruch an unsere Ohren heran. Effata, öffne dich, so dass wir in der Kommunikation untereinander und mit Gott immer offener und sensibler werden können.

Amen